Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde
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Windenergie und Vogelschutz mit moderner Technik verbinden: Forschungsprojekt startet in der Uckermark

(C) Jan-Peter Mund


Zwei Antikollisionssysteme sind derzeit im Rahmen des Forschungsprojekts in der Uckermark im Einsatz.
(C) Jan-Peter Mund

9. Juni 2022

Rotmilan, Seeadler & Co. sind potenziell gef√§hrdet, mit Windenergieanlagen zu kollidieren. Ob und wie Kameras und Radaranlagen dabei helfen k√∂nnen, diese kollisionsgef√§hrdeten Vogelarten zu sch√ľtzen, untersuchen jetzt die Hochschule f√ľr nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE) und das Kompetenzzentrum Naturschutz und Energiewende (KNE) im Landkreis Uckermark (Brandenburg).

Die f√ľr das Forschungsprojekt als Beispielregion genutzte Uckermark ist Lebensraum zahlreicher, besonders gesch√ľtzter V√∂gel, darunter Milane, Wei√üst√∂rche, Wanderfalken, Bussarde, See- und Fischadler. Sie alle z√§hlen zu den Greif- und Gro√üvogelarten, die durch Kollisionen mit Windenergieanlagen besonders gef√§hrdet sind. Damit die Ziele der brandenburgischen Energiestrategie erreicht werden k√∂nnen, ist der Ausbau der Windenergie in mindestens zwei Prozent der Landesfl√§che notwendig. Ein effektiver Schutz der Gro√ü- und Greifv√∂gel und die Nutzung von Windenergieanlagen m√ľssen also vereint werden. Eine L√∂sung daf√ľr k√∂nnten Antikollisionssysteme sein, da diese die Windenergieanlage bei Ann√§herung eines Vogels abschalten.

HNEE und KNE erproben jetzt ‚Äď mit Hilfe einer virtuell simulierten Windenergieanlage ‚Äď zwei Antikollisionssysteme in der abwechslungsreichen und vielf√§ltigen Landschaft der Uckermark. Genauigkeit und Zuverl√§ssigkeit der Systeme werden in diesen Landstrichen erstmals empirisch untersucht und erlauben damit R√ľckschl√ľsse auf sp√§tere Eins√§tze im ganzen Bundesland. Prof. Dr. Jan-Peter Mund erkl√§rt die Funktionsweise der Systeme: ‚ÄěWird ein Vogel erfasst und dann als kollisionsgef√§hrdete Art erkannt, sendet das System ein Abschaltsignal an die Windenergieanlage. Die Anlage wird abgeschaltet und geht in den Trudelmodus √ľber. Eine Kollision des Vogels mit der Windenergieanlage kann so verhindert werden.‚Äú   

Antikollisionssysteme arbeiten mit modernster Technik und erfassen im 360-Grad-Radius per Kamera oder Radar automatisch alle Flugobjekte. Sie kommen ‚Äď mit anderen Ma√ügaben ‚Äď bereits im Ausland zum Einsatz und werden derzeit auch an einigen anderen Standorten in Deutschland erprobt. Antikollisionssysteme k√∂nnen signifikant erh√∂hte T√∂tungsrisiken von windenergiesensiblen Vogelarten senken. Eine hohe Wirksamkeit der Systeme ist jedoch nur bei ausreichender Leistungsf√§higkeit und Zuverl√§ssigkeit wahrscheinlich, die durch Erprobungen nach fachwissenschaftlichen Ma√üst√§ben nachgewiesen werden m√ľssen. Auch gilt es, den Kenntnisstand √ľber Leistungsf√§higkeit und die stand√∂rtliche Eignung einzelner Systeme zu konkretisieren. ‚ÄěWichtig ist, die Systeme jeweils an konkreten und repr√§sentativen Standorten zu erproben,‚Äú betont Prof. Dr. Siegfried Rieger. ‚ÄěDie Erprobung in der Uckermark ist f√ľr den sp√§teren Einsatz im Bundesland daher unverzichtbar.‚Äú

Brandenburger Energieziele
Durch den strengen Schutz f√ľr Greif- und Gro√üvogelarten d√ľrfen potenzielle Windeignungs-gebiete in Brandenburg oft nicht erschlossen bzw. nur teilweise genutzt werden. Das wiederum f√ľhrt zu Schwierigkeiten, die Ziele der brandenburgischen Energiestrategie umzusetzen. In Brandenburg sollen zwei Prozent der Landesfl√§che f√ľr die Windenergie erschlossen und die aktuell installierten 7,5 Gigawatt an Windenergiekapazit√§ten sollen bis 2030 auf 10,5 Gigawatt ausgebaut werden. Es ist geplant, dass bis 2050 die Energiebedarfe von Brandenburg und Berlin komplett aus erneuerbaren Energien gedeckt werden k√∂nnen.  

Bis Oktober sind die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen der HNEE und des KNE vor Ort im Einsatz. Die dann gewonnenen Erkenntnisse aus dem Forschungsvorhaben sollen als Diskussionsgrundlage f√ľr den Dialog mit Entscheidungstr√§gern des Landes Brandenburg dienen.

Projekttitel: Durchf√ľhrung von Leistungsnachweisen f√ľr Detektionssysteme zur Verminderung von Vogelkollisionen an Windenergieanlagen in Brandenburg
Projekttr√§ger: Ministerium f√ľr Wirtschaft, Arbeit und Energie des Landes Brandenburg (MWAE)
Projektkonsortium: HNEE und Kompetenzzentrum Naturschutz und Energiewende (KNE)
Laufzeit: 1. Juni 2021 bis 31. Dezember 2022
Fördervolumen: 1,8 Millionen Euro aus Mitteln des Vermögens von Parteien und Massenorganisationen der ehemaligen DDR

F√ľr R√ľckfragen stehen Ihnen gern zur Verf√ľgung:            
Prof. Dr. Jan-Peter Mund
HNEE- Projektleitung
Fachgebiet Geoinformation und Fernerkundung
Tel.: +49 3334 657-189
jan-peter.mund@hnee.de

Prof. Dr. Siegfried Rieger
HNEE- Projektleitung
Fachgebiet Wildbiologie, Wildtiermanagement und Jagd
Tel.: +49 3334 657- 188
siegfried.rieger@hnee.de

Annika Bischof
Mitarbeiterin f√ľr Wissenschaftskommunikation
Tel.: +49 3334 657-227
presse@hnee.de


√úber das KNE
Das 2016 gegr√ľndete Kompetenzzentrum Naturschutz und Energiewende (KNE) ist eine von der Umweltstiftung Michael Otto getragene und vom Bundesumweltministerium finanzierte Einrichtung. Zweck der gemeinn√ľtzigen GmbH ist die Unterst√ľtzung einer naturvertr√§glichen Energiewende vor Ort. Das KNE bietet Beratung und umfangreiche Fachinformationen an, es organisiert Dialog und Austausch, und vermittelt, wenn es beim Ausbau der erneuerbaren Energien zu Konflikten kommt, speziell ausgebildete Mediatorinnen und Mediatoren.
www.naturschutz-energiewende.de